Feuermusik – Einleitung für große Kinder

Einleitung für große Kinder

Liebe große Kinder,
mit einer Temperatur von 10³² Grad Celsius begann das uns bekannte Universum: wir kommen aus dem Feuer! Seitdem kühlt sich das Universum ab und auf der Erde wurde Leben möglich, der richtige Abstand zur wärmenden Sonne erhält uns und alles Lebendige.

Die Nutzbarmachung des Feuers war ein entscheidender Schritt in der kulturellen Entwicklung der Menschheit. Dank des Feuers konnten Menschen Regionen besiedeln, die ursprünglich zu kalt waren, das Feuer schützte vor Raubtieren, das Garen von Fleisch ermöglichte entscheidende evolutionäre Entwicklungen, das Licht des Feuers verlängerte die Tage und legte den Grundstein für Kommunikation und Sprache.

Im Gegensatz zum Wasser, welches ebenfalls Bedingung für alles Lebendige ist, haftet dem Feuer etwas Mysteriöses an. Es transformiert Stoffliches und ist stark vergänglich: nur so lange es „Nahrung“ zur Verfügung hat, bleibt es am Brennen. Die Flammen bleiben dabei unverfügbar: erfühlen wie Wasser und Eis können wir sie nicht, nur die Hitze des Plasmas wird (schmerzhaft) spürbar. Wie tief sich die Empfindung von Feuer in unser Wesen eingelassen hat, zeigt unsere Sprache: wir „brennen“ für eine Sache, haben eine „zündende“ Idee, sind „Feuer und Flamme“, „glühen“ vor Begeisterung oder fühlen uns „ausgebrannt“.

Feuer ist viel mehr als eine Kulturtechnik und Alltagserfahrung: Feuer ist für uns auch ein wesentliches Gefühl für das, was wir sind oder sein könnten. Und wenn wir uns in Beziehung zu Gott erleben und dies zu beschreiben versuchen, dann spielt auch das Feuer eine gewichtige Rolle. Mehr als 400 Mal wird der Begriff in der Bibel genannt. Diese Beziehungen und Erfahrungen bringt die „Feuermusik“ zum Klingen:

Nachdem im Präludium der Kantate das Feuer in seinem Aussehen, seinen Geräuschen und seinen Gerüchen besungen ist, beginnt die Erzählung vom brennenden Dornbusch. Moses ist Zeuge der Selbstoffenbarung Gottes in einem Feuer, welches die Möglichkeiten unserer Wirklichkeit übersteigt: es brennt, ohne etwas zu verbrennen. Die ewige Gegenwart Gottes wird in diesem Bild leuchtend zum Ausdruck gebracht wenn Gott spricht: “Mein Name ist: Ich-bin-da.“

Anschließend erscheinen verschiedene kosmische Feuer, die uns umgeben. Die Sonne und ihre wärmenden Strahlen lassen den Tag beginnen und im sommerlichen Gras liegend strahlen Farben, Wärme und Licht bis ins Blut hinein. Ist die Sonne untergegangen, dann leuchten die Sterne am Himmel in „Zauberhelle“ und verwandeln die Welt. Die unendliche Dunkelheit des kalten Universums wird spürbar und weckt Gefühle von Einsamkeit und Angst. Das Feuer erscheint schließlich mit seiner vernichtenden Kraft und lässt Mörikes „Feuerreiter“ auf die gespenstische Szenerie von Sodom und Gomorrha treffen. Der kalte Hauch der Vergänglichkeit weht herein und der Tod tritt auf den Plan, wenn die entscheidende Frage gestellt wird: “Was wirst Du tun, Gott, wenn ich sterbe?“ Die Frage bleibt unbeantwortet, Hoffnung gibt jedoch die Pfingstgeschichte: Gott brennt für die Menschen, so wie sich sein heiliger Geist in Feuerzungen auf die Köpfe der Apostel setzt. Diese Zusage und Erfahrung gilt auch heute und kann sich in dem „Versuch, gut zu sein“ manifestieren.

So zeigt sich ein flammender Bogen, den auch die Bibel auf wundersame Weise spannt: von der Selbstoffenbarung Gottes im Feuer und der Zusage seiner Gegenwart ganz am Anfang des Alten Testamentes hin zum Pfingstfeuer und anhaltender Inspiration durch Gottes Geist am Ende des Neuen.

Euer Daniel Stickan