Uwe Steinmetz & Daniel Stickan – „Nein, lieber Mensch, so nicht!“

  • CD & MP3


„Nein, lieber Mensch, so nicht!“ – eine Freiheitskantate für Martin Luther

für Orgel, Saxophon, Erwachsenenchor, Jugendchor und Gesangssolistin

von Uwe Steinmetz & Daniel Stickan

Label: Edition Jazz aus Kirchen

1. PROZESSION
2. NUN FREUT EUCH, LIEBEN CHRISTEN G’MEIN
(Text und Melodie: Martin Luther 1523)
3. ALLES 00:00
(Text: aus Martin Luthers Freiheitstraktat, zum siebzehnten)
4. NUN BITTEN WIR DEN HEILIGEN GEIST
(Text nach Martin Luther 1524 / Melodie nach 13. Jh., Jistebnitz um 1420, Wittenberg 1524)
5. ERHALT UNS, HERR, BEI DEINEM WORT
(Text: Martin Luther 1524)
6. GUTE GERECHTE WERKE
(Text: aus Martin Luthers Freiheitstraktat, zum dreiundzwanzigsten)
7. VATERUNSER
(Text und Melodie nach Martin Luther 1539)
8 a. Lesung aus Martin Luthers Freiheitstraktat, zum zehnten
8 b. TRYPTICHON 00:00 MUTIG HANDELN – TAPFER SÜNDIGEN – MUTIGER GLAUBEN
(Text: aus Martin Luthers Freiheitstraktat, zum ersten)
8 c. Lesung aus Martin Luthers Freiheitstraktat, zum vierten
9. AUS TIEFER NOT SCHREI ICH ZU DIR
(Text und Melodie nach Martin Luther 1524)
10. MIT FRIED UND FREUD ICH FAHR DAHIN
(Text und Melodie: Martin Luther 1524 nach Lk 2, 29-32)
11. WO IST NUN, TOD, DEIN SIEG?
(Text: aus Martin Luthers Freiheitstraktat, zum achzehnten)
12. JESUS CHRISTUS, UNSER HEILAND, DER DEN TOD ÜBERWAND
(Text und Melodie nach Martin Luther 1524, 1529 und Leipzig 1545) [verbunden mit Track 13]
13. VERLEIH UNS FRIEDEN GNÄDIGLICH
(Text und Melodie nach Martin Luther 1529 nach der Antiphon „Da pacem, domine“ 9. Jh.)
14. EIN CHRISTENMENSCH
(Text: aus Martin Luthers Freiheitstraktat, zum dreißigsten)
15. O LUX BEATA TRINITAS
(Text: Martin Luther 1543 nach dem lateinischen Hymnus aus dem 9. Jh. / Melodie nach Mailand um 650, Strassburg 1545, bei Lucas Lossius 1553)

Gesamtspielzeit: 57:15
Alle Kompositionen von Uwe Steinmetz und Daniel Stickan.



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Mit unserer Komposition „Nein, lieber Mensch, so nicht!“ beziehen wir uns bewusst auf die liturgische Tradition von Bachs Kantatenwerk. Bachs Musik atmet lebendigen Glauben, wie eine Überschrift steht das „Soli Deo Gloria“ – allein Gott die Ehre – über seinem Schaffen. Bach hat bei allem Traditionsbewusstsein niemals eine museale Musik komponiert oder auch nur aufgeführt. Er war stets auf der Suche nach einem aktuellen, vielleicht sogar zukünftigen Klang und teilte diese Haltung wie selbstverständlich mit allen großen Namen seiner Zeit.

Als Textquellen und theologisches Fundament dienten uns sämtliche Lutherchoräle und Luthers Freiheitstraktat. Sein dualistisches Verständnis von Leib und Seele, Grundlage der Argumentationskette im Freiheitstraktat, haben wir auf die Großform von 15 musikalischen Szenen übertragen. Die Kantate beschreibt so einen großen Bogen von der Außen- zur Innenwelt: Die ersten 7 Bilder („Der Leib“) beschreiben den Menschen in seinem Verhältnis zur Welt. Die zweiten 7 Bilder („Die Seele“) vertonen Gedanken zum Seelenleben eines Christen und seinem dynamischen Verhältnis zu Gott. Gespiegelt wird dieses Prinzip an einem Triptychon über Luthers berühmtes Paradoxon zur evangelischen Freiheit, das ausschließlich aus spiegelsymmetrischen Hexachorden komponiert wurde.

Luthers Sprache zeugt von Wortgewalt, Poesie und Leidenschaft, an vielen Stellen ist gar ein Hang zur Mystik erkennbar, der uns fasziniert und Räume für die Wirkmächtigkeit von Musik öffnet. So findet die Kantate ihren Abschluss in einer groß angelegten Schlussfuge über Luthers deutschsprachige Version von „O lux beata trinitas“, einem alten Hymnus über die innerlich-mysteriösen Erscheinung des Glaubens. Hier vereinen sich viele musikalisch-bildnerische Elemente zu einer neuen Mystik: das erste Thema bildet als Tonfolge einen nach oben offenen Halbkreis, das zweite einen Viertelkreis aufwärts, das dritte einen Viertelkreis abwärts – gemeinsam ergänzen sie sich zu einem vollen Kreis. Das vierte Thema dann kreist um sich selbst, so wie Gott nicht grundlos, aber sein eigener Grund ist und für sich selbst möglicherweise durchsichtig, also Licht. Über allem schwebt in großen Notenwerten der Cantus Firmus und symbolisiert das Überirdische und die Ewigkeit.

Kompositorische Inspirationsquellen waren neben den Techniken der alten Musik (Kontrapunkt, Hoquetus-Technik, harmonische Wendungen von Guillaume de Machaut) die polyrhythmischen Überlagerungen von Pygmäenmusik, Messiaen’sche Modi und selbst entwickelte Skalen in vielerlei Ausprägungen, zeitgenössische Musik von Arvo Pärt und Steve Reich, und schließlich unsere eigene Klangsprache, wie wir sie seit vielen Jahren in intensiver Zusammenarbeit im Duo und in Ensembleprojekten zwischen Jazz und Crossover-Musik entwickelt haben.

Eine wichtige klangliche Inspiration war uns die Flentrop-Orgel von St. Katharinen. Ihre ungleichstufige Stimmung (Bach-Kellner) erfordert einen sensiblen Umgang mit Tonarten und ermöglicht ganz besonders „rein“ klingende Intervallstrukturen, wodurch wir für uns gänzlich neue Bereiche von Harmonik entwickeln konnten. Ihr großer Farbenreichtum und die besondere akustische Tiefenstaffelung im Raum prägen das Klangbild der Kantate.

Die Frische der musikalischen Verkündigung und die Verbindung von Theologie und Gegenwartskultur ist uns Motivation und Inspiration für die Kantate „Nein, lieber Mensch, so nicht!“. Wie Bach wollen wir geistliche Musik schreiben, die ihren Platz im Gottesdienst haben kann, Theologie und Gegenwartskultur verbindet und eine persönliche, frische und zeitgenössische Tonsprache formuliert. Denn gesagt werden muss immer nur das Eine, dies aber stets und immer wieder neu.

Uwe Steinmetz & Daniel Stickan