Was ihr wollt
Was ihr wollt – Musical nach der Komödie von William Shakespeare (100′)
Daniel Stickan (Musik) und Friedrich v. Mansberg (Buch) // Auftragskomposition des Theaters Lüneburg (2023)
Inhalt
Ein Musical zu einem weltbekannten Shakespeare-Stoff zu schreiben, ist ein Wagnis. Das Genre Musical wird schließlich oft noch sehr eng gefasst und bewegt sich dann musikalisch irgendwo zwischen Pop- und Rockmusik mit etablierten Effekten. Dazu gehört mitunter auch das Überhöhen von Emotionen bis an die Grenze zu Pathos und Kitsch. Für einen solchen Stil erscheint mir Shakespeare zu groß. Shakespeare ist Weltliteratur und deren Gehalt droht in einer solchen Adaption schnell zu verflachen.
Was ihr wollt zählt zu den Komödien. Doch wie es bei guten Komödien immer der Fall ist, ist wahrer Humor nie ohne eine Portion Ernst zu haben. Und so ist Was ihr wollt nicht nur große Unterhaltung mit viel Wortwitz und einer Fülle an derben Späßen, es ist auch ein tiefsinniges Stück über die Fragen von Identität, Geschlechter-Fluidität, Liebe, gesellschaftlichen Hierarchien und enthält einiges an Tragik.
Diese Vielschichtigkeit habe ich als Ausgangspunkt genommen für eine Musik, die sich ebenfalls nicht auf einen Stil festlegt, sondern, im Gegenteil, so viele Stile und Epochen wie nur möglich aufeinanderprallen lässt. Dies soll dabei kein Selbstzweck sein, sondern das Verrückte einer jeweiligen Situation noch plastischer herausstellen und durch Übertreibung den Witz steigern. An manchen Stellen macht sich dabei Musik sogar über sich selbst lustig, oder lacht wenigstens über einen Kulturbetrieb, der sich selbst zu ernst nimmt. Immer dann jedoch, wenn es um eine ernste Emotion geht, habe ich versucht, diese auch authentisch mit den Mitteln einer avancierten Popmusik einzufangen. Dann wird das Stück plötzlich leiser und versucht sich an der Wahrheit, bevor die nächste Szene schnell allen Ernst lachend zur Seite wischt.
Diese Doppelbödigkeit ist von Shakespeare in den Figuren selbst angelegt. Das sagt sicher etwas Wahres über uns Menschen aus und macht Was ihr wollt zu einem Klassiker, der immer wieder und vielleicht auch immer wieder neu gespielt werden sollte.
Das Stück wurde im Auftrag des Theaters Lüneburg komponiert und zählte mit 20 ausverkauften Aufführungen zu den erfolgreichsten Inszenierungen in der Spielzeit 2023/24.
Lüneburg, im März 2026
Daniel Stickan
Theater Lüneburg – Trailer
„Was ihr wollt“ feierte eine umjubelte Premiere mit begeistertem Beifall und Standing Ovation. Friedrich von Mansberg hat mit seinem jungen Ensemble und der Musikschule ein vielschichtiges Musical auf die Bühne gebracht, mit einer Fülle von temporeichen, (aber-) witzigen und ebenso berührenden wie fragilen Momenten.
(Lüneburger Landeszeitung)
„In Hildesheim wird Shakespeare mit Rap und Rock auf Vordermann gebracht. Prädikat: Absolut sehenswert.”
(Hildesheimer Allgemeine)
Aufführungen (unvollständige Liste)
10.06.2026 Hildesheim, Theater für Niedersachsen, großes Haus
19.06.2026 Hildesheim, Theater für Niedersachsen, großes Haus
25.06.2026 Hildesheim, Theater für Niedersachsen, großes Haus
03.11.2023 Theater Lüneburg
07.11.2023 Theater Lüneburg
16.11.2023 Theater Lüneburg
17.11.2023 Theater Lüneburg
18.11.2023 Theater Lüneburg
23.11.2023 Theater Lüneburg
24.11.2023 Theater Lüneburg
30.11.2023 Theater Lüneburg
16.12.2023 Theater Lüneburg
18.12.2023 Theater Lüneburg
07.01.2024 Theater Lüneburg
09.01.2024 Theater Lüneburg
10.01.2024 Theater Lüneburg
19.01.2024 Theater Lüneburg
20.01.2024 Theater Lüneburg
25.01.2024 Theater Lüneburg
26.01.2024 Theater Lüneburg
03.02.2024 Theater Lüneburg
Rezensionen
Stagediving und Narrenfreiheit: Junges Musical „Was ihr wollt“ begeistert mit moderner Inszenierung
(Lüneburger Landeszeitung)
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Stagediving und Narrenfreiheit: Junges Musical „Was ihr wollt“ begeistert mit moderner Inszenierung
Von Silke Elsermann
(Lüneburger Landeszeitung, 04.11.2023)
Auf der Suche nach sich selbst sind die Protagonisten in Shakespeares „Was ihr wollt“. In der Epiphaniasnacht am 6. Januar, in der der Klassiker ursprünglich spielt, maskierten sich die Menschen, schlüpften in andere Identitäten. Auch in der Inszenierung des Jungen Musicals des Lüneburger Theaters ist nichts, wie es scheint und nahezu niemand die- oder derjenige, für den man sie oder ihn hält.
Nichts ist so, wie es scheint. Und nahezu niemand ist, was sie oder er vorgibt zu sein. Aber alle sind vereint in ihrem Suchen nach Liebe und sich selbst. Und in ihren Zweifeln: „Bin ich dir, bist du mir genug? Ist sie ihm, ist er ihr genug? Bist du dir, bin ich mir genug?“, lautet eine der tragenden Liedzeilen und somit die zentrale Frage des Abends. Das klingt nach Shakespeare und ist es auch.
„Was ihr wollt“ feierte am Freitagabend im T.3 des Lüneburger Theaters eine umjubelte Premiere mit begeistertem Beifall und Standing Ovation. Friedrich von Mansberg hat mit seinem jungen Ensemble und der Musikschule ein vielschichtiges Musical auf die Bühne gebracht, mit einer Fülle von temporeichen, (aber-) witzigen und ebenso berührenden wie fragilen Momenten.
Dass dieses Gefühlschaos, dieses Durch- und Gegeneinander gelingt, liegt nicht zuletzt an einer großartigen Interaktion zwischen den Darstellern und der Band der Musikschule, die das Geschehen akzentuiert, kommentiert, vorantreibt und bei allzu großem Chaos (mittels Dissonanzen) auflöst. Unter der Leitung von Pascal F. Skuppe wird die Musik von Daniel Stickan höchst eindrucks- und wirkungsvoll umgesetzt.
Das Stück selbst fordert Aufmerksamkeit vom Publikum. Nicht nur, weil viele weibliche Rollen von männlichen Akteuren gespielt werden, so wie es zu Zeiten Shakespeares üblich war (1564 bis 1616). Mansberg nutzt die Chance, die klassischen Rollengeschlechter aufzubrechen und zu hinterfragen, das entspricht dem heutigen Zeitgeist.
Zum Inhalt von „Was ihr wollt“, das im englischen Original „Twelfth Night, Or what you will“ heißt und am 6. Januar spielt.: Die Epiphaniasnacht bedeutete das Ende der Weihnachts- und den Beginn der Karnevalszeit und wurde mit ausgelassenen Maskenfesten gefeiert, bei denen die Menschen häufig ihre Identitäten wechselten.
Das Stück beginnt mit einem Schiffsunglück und spült Viola an Land nach Illyrien, wo Herzog Orsino, ein „ganzer Mann“ (schön markig gespielt von Lotta Wroblewski), herrscht. Um seinen männlichen Appetit nicht stillen zu müssen, gibt sich Viola, deren Zwillingsbruder Sebastian vermeintlich ertrunken ist, als Cesario aus.
Allerdings ist Viola schwer in Orsino verliebt, der seinerseits Gräfin Olivia erobern will, die seit dem Tod ihres Bruders und Vaters schwermütig ist und ihr Herz an Cesario verliert. Somit geht es bei allen Protagonisten um den „Kreis der Liebesglut“, so der Titel des zentralen Musikstückes. Dazu gehört auch das „Partyvolk“: der dauerbetrunkene Tobias (Hanna Langenbrink) und seine Partnerin Maria (Frithjof Gerken), die Kammermädchen und Vertraute von Olivia, aber auch ein wenig intrigant ist.
Beide wollen den etwas naiven Christoph (Belana Pittin) dazu bringen, um Olivia zu werben. Während das Partyvolk feiert, versucht Haushofmeister Malvolio, den Laden in Ordnung zu halten – sehr zum Verdruss von Maria und Co. Als Rache legt Maria mit einem Liebesbrief eine falsche Fährte und lässt Malvolio glauben, dass Olivia nur ihn liebt.
„Das kann nur ich sein“, ist sich Malvolio nach langem Zaudern sicher und lässt sich von ihrer Entourage wie ein Popstar feiern. Nike Just spielt und singt diese „Dramaqueen“ großartig: Die stärkste Szene des Abends, Stichwort: Stagediving, bekommt zu recht tosenden Applaus.
Fantastisch sind auch die Narren, gespielt von Jakob von Mansberg und Sascha Littig, die ihre „Narrenfreiheit“ lustvoll ausspielen, ihre Auftritte als „Popduo“ mit Miniinstrumenten sichtlich genießen, wobei ihre ” Tanzeinlagen“ an die der ehemaligen Truppe Trio erinnern, während im Hintergrund das Mädelstrio „Was ihr wollt“ vertanzt. Ein köstlicher Spaß, der auch von der ausgeklügelten Choreographie von Rhea Gubler lebt.
Es ist schlichtweg eindrucksvoll, wie die jungen Darsteller scheinbar mühelos Schauspiel, Tanz und Gesang meistern (Vocal Coach: Anna Schwemmer). Hilfreich ist dabei das Bühnenbild von Barbara Bloch, denn auf den zwei Emporen finden die bewegenden Liebesschwüre statt – ganz ähnlich wie bei der berühmten Balkonszene in „Romeo und Julia“ oder beim mittelalterlichen Minnesang. Unten auf der Bühne spielt sich das „wahre“ Leben ab.
„Was ihr wollt“ ist ein ambitioniertes, vielschichtiges Musical, das durch die Inszenierung von Friedrich von Mansberg überraschend aktuell ist und durch seine großartige Interaktion zwischen Band und Ensemble glänzt.
Da ist richtig viel los auf der Bühne. Der tfn-Jugendchor bringt das Verwechslungsspiel „Was ihr wollt“ als Musical auf die Bühne. Prädikat: Absolut sehenswert.
(Hildesheimer Allgemeine)
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In Hildesheim wird Shakespeare mit Rap und Rock auf Vordermann gebracht
Aus der Kulturredaktion
(Hildesheimer Allgemeine, 11.6.2025)
Da ist richtig viel los auf der Bühne. Der tfn-Jugendchor bringt das Verwechslungsspiel „Was ihr wollt“ als Musical auf die Bühne. Prädikat: Absolut sehenswert.
Theaterbesuche sind eigentlich nicht so seine Sache, gesteht der 13-jährige Paavo aus Hildesheim. Aber heute hat ihn sein Freund Johann überzeugt, mitzukommen, und Paavo bereut es nicht. „Ich bin sehr beeindruckt, was ich bis jetzt gesehen habe“, stellt er in der Pause fest. Bei Johann liegt die Sache anders. Der 14-Jährige gehört zum Theaterclub des tfn und hat selbst schon auf der Bühne gestanden. Auch sein Urteil fällt positiv aus: „Sprache, Spiel und Tanzen – das machen die richtig gut“, sagt er fachmännisch.
Der tfn-Jugendchor bringt eine Version von Shakespeares komödiantischem Dauerbrenner „Was ihr wollt“ auf die Bühne, die 2023 im Theater Lüneburg ihre Uraufführung erlebte. Der Lüneburger Intendant Friedrich von Mansberg und der Allroundmusiker Daniel Stickan verwandelten das verwirrende Verwechslungsspiel in ein Musical, das ideale Bedingungen für junge Ensembles schafft.
Stickans facettenreiche Musik nimmt stets Rücksicht auf die stimmlichen Möglichkeiten junger Darstellerinnen und Darsteller. Zugleich folgt er Shakespeares Vielschichtigkeit und „lässt so viele Stile und Epochen wie nur möglich aufeinanderprallen“, wie er selbst sagt. So hört man ambitionierten Popsound, rockige Passagen, Rap und Liedhaftes. Und auch Klänge der Renaissance und des Barock sind eingebaut. Die siebenköpfige Band unter der Leitung von Achim Falkenhausen macht bei all dem einen überzeugenden Job.
„Die Songs gefallen mir besonders. So harmonisch und schön“, äußert sich Zuschauerin Mila (18). Wie bei einer Filmvertonung gibt es zudem eine Fülle von handlungssynchronen Geräuschen wie Wind oder Meeresrauschen beim schnellen Hin und Her auf der Bühne oder trockene Klopf- oder Klock-Laute. Das ist wirkungsvoll und oft auch sehr witzig.
Mansberg verwebt in seinen Texten geschickt Shakespeares dichte poetische Sprache mit umgangssprachlichen Dialogen und Songtexten, in denen sich Jugendliche wiederfinden können. „Du bei mir, ich bei dir, wir allein, ich allein, bin ich mir genug, bist du mir genug“, heißt es schon im Prolog. Solche Zeilen spiegeln gut wider, was sich im Stück als wirkungsvoller Plot abspielt: Wer ist wer? Genau das setzt der Jugendchor um: Unter der musikalischen, künstlerischen und zugleich pädagogisch reflektierten Leitung ihres Dirigenten Achim Falkenhausen singt der Chor sicher und klangvoll. In der einfallsreichen, den großen Bühnenraum füllenden Regie des tfn-Schauspielers Gotthard Hauschild wird mit erstaunlicher Intensität gespielt, wobei auch der Humor nicht zu kurz kommt. Und die lebendig durchgearbeiteten Choreografien von Marlene Vater vermitteln echtes Musicalfeeling.
Es ist bewundernswert, mit welcher sprachlichen Sicherheit und szenischen Vielfalt die Jugendlichen die komplexen, oft poetisch klingenden Texte des Originals präsentieren. Und ebenfalls bewundernswert, mit welcher stimmlichen Qualität die Gesangssoli präsentiert werden. In allen Rollen spürt man, wie genau an den Charakteren gearbeitet wurde. Und das betrifft alle 18(!) Solo-Rollen.
Dabei zeigt Mina Riebau in der Doppelrolle als Viola und Cesario darstellerisch und sängerisch besondere Begabung. Ähnliches kann zu Alissa Burghardt als selbstbewusste Olivia und Océane Wuttke als tollpatschig verliebtem Malvolio gesagt werden. Ihr Flirt-Slapstick, als barocke Arienparodie gesungen, war eine kleine vergnügliche Nummer für sich. Und das volkliedhaft vertonte Schlusslied Shakespeares, zauberhaft gesungen von den beiden Närrinnen Melanie da Silva Correia und Vanessa Peschel, setzt nach der emotionalen Auflösung der Gender-Verwirrung einen leisen, berührenden Punkt mit dem Refrain „und der Regen regnet jeden Tag“.
Mit Standing Ovations feiert das Publikum eine Aufführung, die hohes Niveau hat und deren Besuch empfehlenswert ist. Das findet auch die 18-jährige Elisabeth. „Ich bin extra aus Hamburg gekommen, um meine Freundin Luise, die im Chor dabei ist, zu überraschen. Es war ganz toll.“
