Initium NEU
Initium – Eine Kantate über das Anfangen (45′)
Für Kinderchor, Orgel, Klavier, Marimbaphon, Vibraphon und Schlagwerk // Auftragskomposition der Kirchengemeinde St. Johannis, Lüneburg (2015)
Inhalt
Es ist noch früh: 9 Uhr morgens in Lüneburg. Vom großen Turm der St. Johannis Kirche weht eine Choralmelodie durch die Stadt und begleitet mich in den Tag. Immer wieder richten mich die Töne zur Kirche hin aus. Der mächtige Turm zieht mich dann direkt in den Himmel.
Anfangen – dieses Thema kommt mir in den Sinn, wenn ich an St. Johannis denke. Ein großes Thema, welches die Menschheit schon immer faszinierte. Hat die Welt einen Anfang? Und wenn ja, was ging diesem Anfang voraus?
In meinem Stück „Initium“ geht es jedoch nicht schöpfungstheologisch um den Anfang der Welt. Mich interessiert das Anfangen in uns. Jeden Tag beginnen wir immer wieder neu und haben Lust dazu. Einmal mehr, einmal weniger. Unsere Verhältnisse können noch so beklemmend sein, nur ganz selten hört die Kraft zum Anfangen wirklich auf. Und wenn sie aufhört und nicht wiederkommen will, dann sind wir ernsthaft erkrankt.
Als Menschen haben wir etwas, das uns antreibt – die Philosophie nennt es telos. Wir richten uns auf etwas aus, mag es noch so groß, utopisch und zeitlich entfernt sein. Aus dem Ausrichten erwächst immer wieder eine Kraft, welche sich nicht ziellos verströmt. Wir fangen an, um zu….
Das alles können wir selbst nicht machen, es ist uns geschenkt. Und als Christen haben wir eine Adresse, um dafür zu danken. So ist „Initium“ auch ein Stück, welches den lobt und preist, der selbst der Anfang ist und keinen Anfang hat.
Die Texte für „Initium“ habe ich aus Gedichten und Bibelworten ausgesucht und zusammengestellt. So trifft zum Beispiel Joseph von Eichendorff („…lass ausruhn mich von Lust und Not, bis dass das ew’ge Morgenrot den stillen Wald durchfunkelt“) auf Caesar Flaischlen („..und immer wieder stehst du und freust dich an dem ersten Grün.“) oder die zeitgenössische Autorin Sabine Ludwigs („…in morgenkühler Ferne verlöschen letzte Sterne“). Neben Psalmworten wird auch der Gesang der Jünglinge im Feuerofen zu hören sein, ein apokrypher Text aus dem Buch Daniel, welcher ein nicht enden wollendes Lob Gottes entfaltet.
Die Kantate wird zwar von Kindern gesungen, ist aber keinesfalls nur für Kinder gedacht. Ein zentrales Anliegen bei meinen Kompositionen für Kinderchöre ist mir, dass die Kinder in ihrem sprachlichen, philosophischen und theologischen Vermögen ernst genommen werden. Dazu wünsche ich mir einen Inhaltsreichtum, der Altersgrenzen auflöst und jeden inspirieren kann. So, wie man es von guter Kinderliteratur erwarten darf. Und was für die Texte gilt, muss auch für die Musik gelten. Die ästhetische Unbefangenheit, mit der Kinder Musik begegnen, ist schließlich nahezu grenzenlos.
Lüneburg, im März 2019
Daniel Stickan
Das Werk

Aufführungen
25.05.2019 Lüneburg, St. Johannis Kirche
Rezensionen
“…Bravos und Standing Ovations.”
(Landeszeitung Lüneburg)
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Die Chance zu steten Neuanfängen
(Landeszeitung Lüneburg, 27.05.2019 von Heinz-Jürgen Rickert)
Uraufführung der Kantate “Initium” in der St. Johanniskirche
Griffige Worte und beschwingte Melodien bevorzugt der Zeitgeist. Irgendwie passt dann alles bequem ins Musical-Format, auch bei Kinderstücken und sogar im sakralen Zuschnitt. Daniel Stickan möchte gegen diesen überwiegend seichten Trend ein musikalisches Zeichen setzen, mit anspruchsvoll inspirierenden Texten und komplexen Partituren für den Nachwuchs. Einige Beiträge hat der Komponist bereits verfasst, nun folgte als Uraufführung in der gut besuchten St. Johanniskirche die Kantate “Initium”, ein Werk über die Chance zum immer wieder neuen Anfangen, von der Knaben- und Mädchenkantorei unter Leitung von Frauke Heinze aus der Taufe gehoben. Das Publikum signalisierte klare Zustimmung, es gab Bravos und Standing Ovations.
Daniel Stickan liebt solche Herausforderungen, seit der “Wassermusik” (2015) sorgt er damit für überregionale Aufmerksamkeit. Sein jüngstes Opus entwickelte er aus wohl formulierten Sätzen, theologischen Botschaften, tröstenden Versen, Gebeten und Gedichten. Psalmen tauchen auf, Goethe oder Gegenwartslyrik von Sabine Ludwigs. Daraus spannt sich ein ausdrucksintensiver Bogen mit Impulsen für das individuelle Nach- und Weiterdenken.
Percussiv startet “Initium”, sphärische Klänge scheinen den Alltag zu entrücken, kontemplative Räume zu öffnen. Gesungene Töne folgen, daraus erwächst ein introvertiertes Halleluja. Im weiteren Verlauf werden Kontraste herausgefiltert mit leiseren Teilen und expressiven Einschüben. Stickan kombiniert markante Rhythmik mit eingängigen Themen und Motiven, solistischen Elementen und gemeinsamen Auftritten der beiden Jugend-Kantoreien. Das Schlagwerk-Instrumentarium bleibt prägend und prägnant, vor allem durch Marimba und Trommelwirbel.
Vieles wirkt im Sound modern, ganz heutig, Jazz-Anleihen inklusive. Doch Stickan traut sich manchmal in traditionellere Gefilde. “Komm, Trost der Welt” hat die Struktur eines konventionellen Chorals mit schleppend feierlichem Tempo und Orgelbegleitung, die Joachim Vogelsänger übernahm. Das Gedicht von Eichendorff verbreitet in der kunstvollen Vertonung Ruhe und bildkräftige Impressionen.
Zwei Lesungen sind geschickt in die Kantate eingewoben, Psalm 63 sowie ein Abschnitt aus dem dritten Kapitel im Buch Daniel, vorgetragen von Pastor Diederik Noordveld. Daniel Stickan gestaltete den Klavierpart. Die Hauptarbeit leisteten die ausgezeichneten Percussionisten David Gutfleisch und Clemens Bütje mit Hingabe.
Der Lüneburger Komponist liefert mit “Initium” den intendierten Beweis: Werke für Jugendensembles müssen keinesfalls gefällig und simpel ausfallen. Besonders eindringlich gerieten “Sonnenkraft” auf Zeilen von Cäsar Flaischlen und der berühmte Gesang der Jünglinge im Feuerofen. Frauke Heinze führte die zwei Chöre exzellent ins Lot. Sie hatte die jungen Vokalisten und Solisten punktgenau vorbereitet, ihnen Sicherheit verliehen für eine äußerst gelungene Präsentation, gewiss ein hartes Stück monatelanger Probenarbeit. Die Knaben- und Mädchenkantorei bewältigte die hoch ambitionierte Aufgabe mit Bravour, bestach ebenfalls in Solopartien, die Marlene Esklony, Elin Heche und Ellen Mingorance ausführten.
“Inhaltsreichtum, der Altersgrenzen auflöst und jeden inspirieren kann.”
(Evangelische Zeitung)
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Kinderchorkantate über den Anfang
(Evangelische Zeitung, 10. Mai 2019 von Andres Wulfes)
Sein erstes Werk für Kinderchor war 2015 die „Wassermusik“. Nun hat Daniel Stickan eine Kantate über das Anfangen geschrieben, die Ende Mai uraufgeführt wird.
Wie viel Texte und Gedichte er für seine Kantate gelesen hat, weiß Daniel Stickan nicht so genau. Mehrere hundert bestimmt, vielleicht an die tausend, schätzt er schließlich. „80 bis 100 habe ich ausgesucht – und zehn bis zwölf dann verwendet.“ Im Sommer 2018 hatte der Lüneburger Musiker mit den Arbeiten an seiner Kantate für Kinderchor begonnen. Nun steht die Uraufführung von „Initium“, der Kantate über das Anfangen, bevor.
Die Proben der Knaben- und Mädchenkantorei von St. Johannis sind in vollem Gange Am Sonnabend, 25. Mai, wird sie uraufgeführt. Aufgeregt sei er nicht, sondern „ganz entspannt“, sagt Stickan. „Ich freue mich wirklich darauf.” Denn die Proben liefen super, und die Kinder seien mit Begeisterung bei der Sache.
Die neue Kantate ist als Auftragswerk der Singschule St. Johannis in Lüneburg entstanden. Das Stück handelt vom Zauber des Anfangs. Daniel Stickan hat dazu eine Assoziation, die das Anfangen und St. Johannis miteinander verbindet: „Wie morgens um 9 Uhr vom Turm der Johanniskirche die Turmbläser spielen und mit ihren Chorälen jeden Tag neu beginnen lassen, so soll dieses Stück dem Anfangen und dem Lob der permanenten Schöpfung gewidmet sein.“ Denn diese Choralmelodie, die vom Turm durch die Stadt weht, „begleitet mich in den Tag“, erzählt der Musiker, der gar nicht weit entfernt von dem Gotteshaus wohnt.
Aus Gedichten und Bibelworten
„Initium“ beschäftigt sich aber bewusst nicht schöpfungstheologisch mit dem Anfang der Welt. „Mich interessiert das Anfangen in uns. Jeden Tag beginnen wir immer wieder neu und haben Lust dazu“, sagt Stickan, für den die Kantate auch eine Aufforderung ist, etwas anzufangen. Denn daraus erwachse immer wieder Kraft. „Das alles können wir selbst nicht machen, es ist uns geschenkt. Und als Christen haben wir eine Adresse, um dafür zu danken“, sagt Stickan. So sei „Initium“ auch ein Stück, „das den lobt und preist, der selbst der Anfang ist und keinen Anfang hat“.
„Initium“ ist als konzertantes Werk für Kinderchor konzipiert, verzichtet gänzlich auf szenische Elemente, und dauert etwa 45 Minuten. Die Texte für die Kantate hat Stickan aus Gedichten und Bibelworten zusammengestellt. So trifft Joseph von Eichendorff auf Caesar Flaischlen, Goethes Faust auf die zeitgenössische Autorin Sabine Ludwigs. Neben Psalmworten ist der Gesang der Jünglinge im Feuerofen zu hören, ein apokrypher Text aus dem Buch Daniel, der ein nicht enden wollendes Lob Gottes entfaltet.
Auch für Erwachsene
Die Kantate wird von Kindern gesungen, ist aber keinesfalls nur für Kinder gedacht. „Ein zentrales Anliegen bei meinen Kompositionen für Kinderchöre ist mir, dass die Kinder in ihrem sprachlichen, philosophischen und theologischen Vermögen ernst genommen werden“, betont Stickan. „Dazu wünsche ich mir einen Inhaltsreichtum, der Altersgrenzen auflöst und jeden inspirieren kann.“ Er legt Wert darauf, dass auch Erwachsene angesprochen werden und einen Zugang zum Thema haben, „und nicht nur die Kinder niedlich finden“. Bei guter Kinderliteratur von Astrid Lindgren, Erich Kästner oder Michael Ende funktioniere das auch, da könne jeder etwas mitnehmen: „Hochwertige Kinderliteratur zeichnet sich dadurch aus, dass sie Kinder und Erwachsene gleichermaßen und auf verschiedenen Ebenen anspricht.“
Genau das vermisst Stickan bei den gängigen zeitgenössischen Kompositionen für Kinderchöre. Sie beschränkten sich meist auf das „musikalisierte Nacherzählen von biblischen Geschichten“ und blendeten tiefergehende Inhalte aus, so Stickan, der mit seinen Kompositionen eine Alternative zu den verbreiteten Kindermusicals anbieten und zeigen will, dass Kinderchormusik ebenso anspruchsvoll wie zugänglich, vielschichtig wie eingängig sein kann.
Ringen um die Melodie
Die Musik zu den Texten entstehe, wenn der Rahmen des Stückes stehe. Und nein, die Töne habe er nicht plötzlich im Kopf und müsse sie nur noch hinschreiben, sagt Stickan: „Das ist ein hartes Ringen um die Melodie.“
Stickan, Jahrgang 1980, mit einem Faible für Jazz und Improvisiation, hat Orgel und Klavier studiert. Sein erstes Werk für Kinderchor entstand 2015, eine „Wassermusik“ als Auftragsarbeit für die Hamburger Kinder- und Jugendkantorei. Die „Feuermusik“ folgte. „Jetzt schreibe ich gerade an der Luftmusik“, verrät Stickan, der die Elemente mit eine Kantate zur „Erde“ komplettieren will.
Info
Die Uraufführung von „Initium“ in St. Johannis beginnt am Sonnabend, 25. Mai, um 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Ausführende sind die Knaben- und Mädchenkantorei St. Johannis, Daniel Stickan (Klavier), Joachim Vogelsänger (Orgel) und Percussionisten. Die Leitung hat Frauke Heinze.
“Eine Kantate über das Anfangen”
(Landeszeitung Lüneburg, Ankündigung)
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Eine Kantate über das Anfangen
(Landeszeitung Lüneburg, 19.05.2019 von Frank Füllgrabe)
“Initium” von Daniel Stickan wird in der Lüneburger St.-Johannis-Kirche uraufgeführt
Bei dem Wort “Anfang” fällt wohl den meisten Menschen zunächst Hermann Hesse ein: “Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.” Das ist aus dem philosophischen Gedicht “Stufen”. Diesen Zauber will Daniel Stickan mit den Mitteln der Musik einfangen. “Initium” heißt das Werk des Lüneburger Komponisten und Organisten, die “Kantate über das Anfangen” wird am Sonnabend, 25. Mai, um 18 Uhr in der Lüneburger St. Johanniskirche uraufgeführt.
Ohne “telos” ist der Mensch krank
Anfangen und St. Johannis: In der Kombination dieser Stichworte denkt Daniel Stickan zunächst an den Turmbläser, der um 9 Uhr morgens den Tag mit Choralmelodien eröffnet: “Immer wieder richten mich die Töne zur Kirche hin aus, der mächtige Turm zieht mich dann direkt in den Himmel.” Bei “Initium” geht es also nicht um den Beginn der Welt im Sinne der Schöpfungsgeschichte, sondern es geht um die inneren Kräfte, die den Menschen antreiben, den Tag zu beginnen, etwas in Angriff zu nehmen – in der Philosophie wird das Wort “telos” benutzt. Ohne telos ist der Mensch krank.
Singen wird die Knaben- und Mädchenkantorei St. Johannis, “die Kantate ist aber keinesfalls nur für Kinder gedacht”, sagt Daniel Stickan, und: “Ein zentrales Anliegen meiner Kompositionen ist mir, dass die Kinder in ihrem sprachlichen, philosophischen und theologischen Vermögen ernst genommen werden.” Das gilt bereits für die Kirchenwerke, die Stickan den Elementen widmete: Zuerst die “Wassermusik” (2015), die bundesweit rund 30 Mal aufgeführt wurde, dann der Feuerkantate (2017). In diesem Jahr soll eine “Luftmusik” uraufgeführt werden, 2021 folgt dann – logischerweise – eine Erdmusik. Gerade nahm Stickan in der Gedächtniskirche Berlin mit Chor und NDR-Bigband das Oratorium “God is now” seines Duo-Partners, des Saxophonisten Uwe Steinmetz auf, im kommenden Jahr liefert er eine Messe für die Singschule am Prenzlauer Berg ab.
Von tausend Gedichten bleiben nur zehn
Auch wenn der Lüneburger zunehmend vom reisenden Organisten in das Fach des Komponisten wechselt, der daheim an den Partituren arbeiten kann: Zwei große Kompositionen im Jahr, mehr ist nicht zu schaffen. Stickan sichtet für die Elemente-Kantaten, das Thema soll ja möglichst komplex behandelt werden, jeweils rund tausend Gedichte, sechzig bis achtzig kommen in die engere Auswahl, am Ende bleiben zehn – “es muss eine innere Dramaturgie erkennbar sein, es geht ja nicht um ein Medley. Mit der Festlegung der Form habe ich schon die Hälfte der Arbeit getan”. Ein wichtiger Aspekt bei “Initium” ist das Moment der Unverfügbarkeit, das Gefühl, dabei zu sein, etwas zu bewegen, ohne es wirklich steuern zu müssen.
Die Uraufführung am Sonnabend, 25. Mai, beginnt um 18 Uhr. Es singt die Knaben- und Mädchenkantorei, als Instrumentalisten sind Daniel Stickan (Klavier), Joachim Vogelsänger (Orgel), Clemens Bütje und David Gutfleisch (Percussion) dabei. Die Gesamtleitung hat Frauke Heinze. Das eingangs zitierte Hesse-Gedicht ist übrigens nicht dabei, “ich versuche”, so Stickan, “das allzu Naheliegende zu vermeiden.”
