Der Raum, der uns bleibt NEU
Der Raum, der uns bleibt (60′)
Eine Messe für Chor (SSABar), Klavier und Streichoktett mit Auszügen des Messtextes auf Latein und Deutsch sowie Texten von Marie Luise von Kaschnitz, Arne Rautenberg, Jürgen Brocan, Emily Dickinson und Gottfried Kölwel // Auftragskomposition der Singschule Prenzlauer Berg (2020)
Inhalt
Wie kann man heute noch eine Messe komponieren? Eine Gegenwartsmusik auf der Grundlage eines jahrtausendealten Textes mit lateinischen Glaubenssätzen und strenger Form?
Der Messtext wirft Fragen auf und steht quer zur gegenwärtigen Situation von Spiritualität, die gerne als “postsäkular” bezeichnet wird. Postsäkular, weil die Urfunken unseres spirituellen Suchens und Fragens wohl doch nicht einfach durch Aufklärung gelöscht werden konnten, Gott nicht einfach durch Wissen ersetzbar ist.
So einfach sind also die feinen Wurzeln des Glaubens nicht abzutrennen und dennoch kann der Messtext auch nicht mehr einfach für sich sprechen. Daniel Stickan holt ihn in die Gegenwart, indem er ihn thematisch mit Fragen von Natur und Nachhaltigkeit konfrontiert und mit Texten aus der Gegenwart kombiniert. In ein “Credo in unum deum” (“Ich glaube an den einen Gott”) wirft der Kieler Lyriker Arne Rautenberg ein: “Wir glauben, wir rasen ins Drehen der Welt” und weist auf die Beschleunigungs- und Steigerungslogik der Moderne hin. Ein anderer Lyriker, Jürgen Brôcan, fügt hinzu: “Ohne Unterlass zimmert sich der Geist Stege in die Welt” und stellt damit mögliche Gewissheiten in Frage, ergänzt aber auch gleich, dass sich Sinn keineswegs erledigt hat, solange er auch von unseren Sinnen lebt. Dann nämlich gilt, wie Brôcan ausführt: “Das Paradies kehrt in den Apfel zurück”.
Wir können das Wort “Gott” aus unserem Wortschatz tilgen. Doch wenn wir uns unserer Sehnsucht nach Glauben stellen, gewinnt auch der Messtext an Bedeutung. Unser Glaube ist schließlich immer geschichtlich, er lebt von dem, was war, was ist und was kommt. So dürfen wir auch eintauchen in die uralten Worte und versuchen, ihnen Sinn abzulauschen. Vielleicht verwandelt es uns und unsere Wahrnehmung. Natur wird zur Schöpfung, die bewahrt werden muss, weil sie ein Geschenk ist, das wir uns nicht selbst machen konnten. Wie nötig Nachhaltigkeit im Umgang mit der Natur ist, wissen wir schon längst, die Fakten liegen auf dem Tisch. Aber damit diese Einsicht auch in unseren Herzen verfängt, dazu braucht es die Kraft der Poesie und der Musik.
Lüneburg, im März 2021
Daniel Stickan
Das Stück in 60 Sekunden

Coming soon …
“Diese Messe habe ich 2020 begonnen, mit einer geplanten Uraufführung in 2021.
Durch Corona verschob sich die UA bis ins Jahr 2023,
was mir wiederum viel Zeit für eine ausführliche Revision gab.
Das Stück war meine Beschäftigungstherapie in der Pandemie.”
(Daniel Stickan)
Aufführungen
13.05.23 Berlin, Gethsemanekirche
13.04.25 Berlin, Kammermusiksaal der Philharmonie.
Auszug: “Last Exit Sterne Sehen”
mit Kronenchor Friedrichstadt
Teresa Pfefferkorn Chorleitung
Mädchenchor III der Sing-Akademie zu Berlin
Kelley Sundin-Donig Chorleitung
Kinderkantorei & Jugendkonzertchor Prenzlauer Berg Nord
Christiane Rosiny Chorleitung



